Liebe Eltern,

es sind gerade sehr ungewöhnliche Zeiten für uns alle. Sie waren jetzt bereits drei Wochen mit Ihren Kindern zu Hause. Wie ich von den Klassenlehrkräften hörte, geht es Ihnen und den Kindern gut. Das freut mich sehr!

Vielleicht machen Sie sich Sorgen, dass die Kinder zu Hause nicht so viel lernen wie sie es sollten oder darüber, dass sie so viel Unterrichtsstoff verpassen. Das kann ich sehr gut verstehen! Doch vertrauen Sie bitte darauf, dass die Lehrkräfte der FFS Ihre Kinder bestmöglich unterstützen! Sie werden den Kindern auch helfen, sich wieder an den Schulalltag zu gewöhnen, wenn es so weit ist. Gemeinsam mit den Kindern werden wir dann Wege finden, dass sie gut weiter lernen können!

Möglicherweise haben Sie gemerkt, dass es nicht immer so leicht ist, den ganzen Tag mit den Kindern zusammen zu sein, Ihren eigenen (beruflichen) Alltag zu bewältigen und gleichzeitig mit den Kindern arbeiten zu müssen oder dafür zu sorgen, dass sie ihre Aufgaben erledigen.

Doch was ist wichtig in dieser Zeit? Ist es wichtiger, dass die Kinder fleißig arbeiten und es unter Umständen zu größeren Konflikten und Streitigkeiten zu Hause kommt?  Oder ist es wichtiger, dass Ihre Kinder nach der Krise seelisch und körperlich gesund sind und an eine schwierige Zeit zurück denken, durch die sie mit Ihnen Hand in Hand durchgegangen sind?

Ich teile die Gedanken des französischen Bildungsministeriums, dass es wichtiger ist, dass SIE, liebe Mamas, liebe Papas, in dieser ungewohnten Zeit für Ihre Kinder da sind! Denn für die Kinder ist auch alles neu und komisch. Sie haben zum Teil genauso viel Angst wie wir Erwachsene. Die Kinder bekommen sehr vieles mit, hören Gespräche zwischen Erwachsenen, sehen oder hören Nachrichten und können all diese Informationen noch nicht so richtig verstehen. Das macht ihnen Angst! Sie spüren auch die Anspannung, Nervosität oder Angst der Erwachsenen um sie herum. Dadurch sind sie sehr verunsichert, beunruhigt und innerlich in „Alarmbereitschaft“ und wissen nicht, was sie mit diesen Gefühlen machen sollen. Die Kinder wollen diese unangenehmen Gefühle gerne weg haben, doch das ist leider nicht so einfach!

Die Kinder gehen zwar gerade nicht in die Schule, aber es sind für sie keine spaßigen Ferien wie sonst, denn sie dürfen sich NICHT mit Freundinnen und Freunden zum Spielen treffen, müssen oft zu Hause bleiben oder „Abstand halten“. Vieles hiervon verstehen sie noch nicht und es ist für sie völlig fremd.

Es kann sehr gut sein, dass Ihre Kinder auf diese ungewohnte Situation reagieren und zwar mit Angst, Wut, Aggressionen, Protest, Schreien, Rückzug, Verunsicherung, Weinen usw. Dies ist unter diesen Umständen ein normales und nachvollziehbares Verhalten.

Was den Kindern hilft ist, dass sie sich bei Ihnen „in Sicherheit“ und wohl fühlen. Sie brauchen Sie als Balance-Punkt, an dem sie sich orientieren können, der sie unterstützt und ihnen Zuversicht vermittelt. Die Kinder brauchen Ihr Verständnis, dass Sie für sie da sind, dass Sie sie so lieben wie sie gerade sind – auch mit ihren Ängsten, Aggressionen und Problemen. Sie möchten fühlen, dass alles wieder gut wird!

Das könnte bedeuten, dass das Lernen für die Kinder im Moment nicht im Vordergrund steht, denn: Wer Angst hat, kann nicht gut lernen!

Streiten Sie sich dann NICHT mit Ihren Kindern, machen Sie KEINEN Druck, sondern bleiben Sie geduldig und machen Sie etwas anderes mit Ihren Kindern: Gehen Sie bei diesem schönen Wetter spazieren, sammeln Sie mit den Kindern etwas im Wald und basteln Sie etwas zusammen daraus, fahren Sie mit den Kindern Fahrrad, Roller oder Inliner, backen Sie Waffeln, kochen Sie zusammen oder spielen Sie mit Ihren Kindern Memory oder ein Brettspiel. Manchmal ist es auch schön, zusammen einen Film zu schauen oder lesen Sie gemeinsam ein Buch und spielen Sie die Abenteuer aus den Geschichten zu Hause als Theaterspiel nach, machen Sie zur Erinnerung Fotos oder Videoaufnahmen davon, die die Kinder später vielleicht auch anderen zeigen könnten. Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm, singen Sie zusammen oder tun Sie gemeinsam einfach mal nichts.

Sie müssen Ihre Kinder nicht andauernd beschäftigen – wenn sich die Kinder einmal langweilen, sollten sie sich nicht sofort mit Fernsehen oder Computerspielen ablenken. Aus Langeweile entstehen oft tolle und kreative Ideen!

Machen Sie sich bitte NICHT so viele Sorgen darüber, dass die Kinder zu wenig lernen und in der Schule nicht mehr mitkommen oder nach den Sommerferien den Anschluss in der weiterführenden Schule nicht schaffen könnten. Alle Schulkinder in ganz Deutschland sind in dieser Situation und das ist allen Lehrkräften und Politikern klar. Es wird Lösungen geben und alles wird gut werden!

Wenn die Kinder wieder in die FFS kommen, werden die Lehrkräfte sie mit Freude in Empfang nehmen und wir werden mit ihnen ein Fest feiern! Dann werden die Lehrkräfte mit all ihren wunderbaren Ideen und großartigen Fähigkeiten, die sie haben, mit den Kindern arbeiten und sie weiter auf ihrem schulischen Entwicklungsweg unterstützen und begleiten! Gemeinsam schaffen wir das! Wir sind alle zusammen ein tolles Team in der FFS!!!

Wenn wir in vielen Jahren aus der Sicht eines Adlers zurückschauen, werden wir dankbar darüber sein, dass wir alle gemeinsam diese schwierige Zeit überstanden haben! Wir werden glücklich über die Zeit sein, die wir fern der alltäglichen Hektik geschenkt bekommen und miteinander verbracht haben. Wir werden uns freuen, dass unsere Kinder seelisch und körperlich gesund geblieben sind, denn das ist immer das Wichtigste!

Die Kinder werden sich vielleicht an eine schwierige Zeit, doch hoffentlich auch an einen inneren Schatz erinnern und daran, was sie in dieser Zeit mit Ihnen erlebt haben, wie sie sich gefühlt haben, dass sie Ihnen vertrauen konnten und sie bei Ihnen in Sicherheit waren, dass Sie für sie da waren, dass Sie sie in Liebe und Wohlwollen begleitet haben.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien von Herzen, dass Sie alle gesund bleiben werden und dass wir uns bald wiedersehen!

Herzliche Grüße

Jutta Kruske